11. 06. 2018 0 Kommentare


Von manchen Leistungssportlern geschätzt, von der Welt-Anti-Doping-Agentur verboten: was kann Cannabis wirklich? Hier erfährst Du, was Cannabis mit deinem Körper und deinem Gehirn macht. Wir haben wissenschaftlich hinterfragt, ob du mit Marihuana deine sportliche Leistung verbessern kannst.

Wie wirkt Cannabis auf deinen Körper?

Die wesentlichen wirksamen Substanzen in der Hanfpflanze sind die Cannabinoide (–)-Δ9-trans-Tetrahydrocannabinol (THC), Cannabinol (CBN) und Cannabidiol (CBD). Während THC hauptsächlich für die berauschende Wirkung verantwortlich ist, gilt CBD als angstlösend, entzündungshemmend, krampflösend und als Mittel gegen Übelkeit. CBN wirkt in erster Linie auf Immunzellen.

Insgesamt enthält Cannabis über 400 verschiedene Substanzen, von denen mindestens 61 Cannabinoide sind. Je nach Hanfsorte unterscheiden sich die Zusammensetzung dieser Substanzen und damit auch die Wirkung des Cannabis.

Warum kann Cannabis dich beeinflussen?

Manche Cannabinoide können an die körpereigenen Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2 binden. Sie passen in die Bindungsstelle der Rezeptoren wie ein Schlüssel in ein Schloss, wodurch sie eine nachfolgende Reaktion in der Zelle auslösen.

Auf diese Weise ahmen die Cannabinoide aus dem Hanf die natürlichen Bindungspartner der Rezeptoren nach. Keinesfalls kannst du aus dem Namen der Rezeptoren schließen, dass die Cannabinoide aus der Hanfpflanze die natürlichen Hauptakteure sind. Mutter Natur hat uns nicht mit den Cannabinoid-Rezeptoren ausgestattet, weil sie uns den Cannabiskonsum nahelegen wollte. Forscher wählten den Namen lediglich, weil sie die Rezeptoren bei der Suche nach der Wirkungsweise von Cannabis erstmalig entdeckt haben.

Die CB1- und CB2-Rezeptoren bilden zusammen das sogenannte Endocannabinoid-System und das funktioniert ganz ohne den Konsum von Cannabis. Das Endocannabinoid-System ist an folgenden Funktionen des Körpers beteiligt:

  • Fortbewegung
  • emotionales Verhalten
  • Denkvermögen
  • Herz-Kreislauf-System
  • Schmerz
  • Essverhalten

Die natürlichen Bindungspartner von CB1 und CB2 sind beispielsweise Stoffe, die der Arachidonsäure strukturell ähnlich sind und von dieser abstammen oder zu dieser abgebaut werden. Anandamid gehört zu diesen sogenannten natürlichen Liganden. Der menschliche Körper kann Anandamid selbst herstellen. Es ist aber unter anderem auch in Kakao enthalten. Vielleicht ein weiterer Grund, warum Schokolade und Hanf in Space Cookies und Brownies so gut zusammenpassen?

Wie wirkt THC?

THC bindet an den Cannabinoid-Rezeptor CB1. Da sich der CB1-Rezeptor bevorzugt in Nervenzellen des Gehirns befindet, ist dort der hauptsächliche Wirkungsort von THC. Neben seiner berauschenden Wirkung soll THC zudem das Kurzzeitgedächtnis, die Entscheidungsfindung und die Reaktionsgeschwindigkeit beeinträchtigen.

Die Wirkung von THC ist sehr dosisabhängig und teils gegensätzlich. In niedrigen Dosen wirkt es sedierend, in höheren Dosen erregend. Ein regelmäßiger Cannabiskonsum reduziert die Anzahl an CB1-Rezeptoren und macht die noch vorhandenen weniger empfindlich. Je regelmäßiger du Cannabis konsumierst, desto abgeschwächter ist also die Wirkung.

Wie wirkt CBN?

CBN passt strukturell in die Bindungsstellen des CB2-Rezeptors. Immunzellen und Zellen des Knochenaufbaus und -abbaus sind die häufigsten Träger der CB2-Rezeptoren. Folglich wirkt CBN weniger auf das Gehirn und beeinflusst stattdessen das Immunsystem und die Knochen.

Wie wirkt CBD?

CBD wirkt nicht über die Cannabinoid-Rezeptoren, sondern indirekt auf den Stoffwechsel, das Immunsystem und einige neuronale sowie hormonelle Signale. Wie der genaue Funktionsmechanismus abläuft, erforschen Wissenschaftler noch. Dafür sind sich Forscher einig, dass CBD die Wirkung von THC beeinflussen kann.

Die überwiegend positiven Eigenschaften – wie die angstlösende, entzündungshemmende, krampflösende und Übelkeit reduzierende Wirkung – machen CBD für medizinische Anwendungen und für Sportler so interessant. Der ausbleibende Rauschzustand bei der CBD-Einnahme kommt den Patienten und Sportlern in den meisten Fällen sehr gelegen. Abgesehen von der einen oder anderen Ausnahme, die aber ganz bestimmt nur selten vorkommt.

Marihuana Leistungssteigerung

Wann hilft und wann schadet Cannabis deiner Leistungsfähigkeit?

Der Effekt von Cannabis auf die Leistungsfähigkeit kann eine Typ-Frage sein. Manche motiviert es beim Sport und setzt deren Schmerzgrenze herab. Andere berichten von mehr Trägheit und einem inneren Schweinehund, der durch Cannabis eine ungeahnte Größe erreichen kann.

Auf jeden Fall spielt die Art und Weise des Cannabiskonsums eine große Rolle. Eigentlich dürfte jedem klar sein, dass jegliche Form des Rauchens gesundheitlich keine gute Idee ist. Erst recht nicht, um die sportliche Leistung zu steigern. Auch beim Rauchen von Haschisch oder Marihuana überwiegen die negativen Auswirkungen des Rauchs auf die Lunge und Atemwege. Ganz egal, ob pur oder gemischt mit Tabak. Zudem entstehen durch das Verbrennen von Cannabis-Produkten zahlreiche krebserregende Stoffe. Vaporisieren oder das Einbacken in den Eiweißriegel sind wohl in jeder Hinsicht die gesünderen Varianten.

Welche Rolle spielt die Dosis?

Die Dosis von THC und CBD ist mitentscheidend für den Effekt auf die Leistungsfähigkeit. Der Konsum geringer Mengen THC wirkt eher beruhigend, entspannend und angstlösend. Bei einer höheren Dosierung an THC überwiegt hingegen die Erregung, die sich zu psychotischen Zuständen entwickeln kann. Dabei dauert sowohl die entspannende als auch die erregende Wirkung länger an als der Rauschzustand.

Wichtig zu wissen ist auch, dass je nach Konsumform unterschiedlich viel der Cannabinoide ins Blut gelangt. Beim Rauchen von Marihuana gehen ungefähr 20 % des enthaltenen THC ins Blut über. Bei der oralen Einnahme von Haschisch sind es sogar nur etwa 6 %.

Wie viel THC und CBD letztlich im Blut landen, hängt außerdem von dem verwendeten Cannabis-Produkt ab. Marihuana, also die getrockneten unbefruchteten weiblichen Blütenstände, enthält weniger THC als das aus den Blütenständen bereits extrahierte Haschisch. Haschischöl wird manchmal als nahezu reines THC bezeichnet. Allerdings gibt es auch beim Haschischöl sehr große Unterschiede im THC-Gehalt.

Darüber hinaus unterscheiden sich THC- und CBD-Gehalt der verschiedenen Hanfarten und Hanfsorten erheblich. Indischer Hanf (Cannabis indica) weist ein höheres Verhältnis von CBD zu THC auf als beispielsweise der gewöhnliche Hanf (Cannabis sativa). Dadurch wirkt indischer Hanf beruhigender als Abkömmlinge anderer Arten.

Wie könnte Cannabis deine sportliche Leistung steigern?

Die entspannenden, schmerzlindernden und angstlösenden Effekte des Cannabis gelten als die wahrscheinlichsten Gründe für eine Leistungssteigerung durch den Cannabiskonsum. Sie wirken eher indirekt über das Durchhaltevermögen, die Risikobereitschaft und die Regeneration. Ob Cannabis noch direktere leistungssteigernde Eigenschaften besitzt, ist bislang unklar.

Der Konsum von Cannabinoiden ist von der Welt-Anti-Doping-Agentur für professionelle Sportler im Wettkampf als Doping verboten. Das gilt im Speziellen für THC, wobei CBD ausdrücklich seit kurzem erlaubt ist. Die Welt-Anti-Doping-Agentur geht zwar nicht von einer leistungssteigernden Wirkung aus, sieht aber die erhöhte Risikobereitschaft durch Cannabis als Problem für den Sportler.

Cannabis Leistungssteigerung

Was sagen wissenschaftliche Studien zur Leistungssteigerung durch Cannabis?

Es gibt nur wenige umfangreiche Studien, die die Wirkung von Cannabis auf die Leistung eines Menschen untersuchen. Die meisten Daten stammen aus Tierversuchen oder von Erfahrungsberichten der Cannabis konsumierenden Sportler. Insofern sind die Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen.

Weitgehende Einigkeit herrscht über die schmerzlindernde Wirkung von Cannabis. Dadurch können Sportler ihre Grenzen überschreiten und länger durchhalten. Die ebenfalls unbestrittene angstlösende Eigenschaft des Cannabis soll professionellen Sportlern helfen, um unter Druck eine bessere Leistung erzielen zu können.1

Die beruhigende und entspannende Wirkung von Cannabis hilft bei der Regeneration. Vor allem CBD soll für eine bessere Muskelentspannung nach dem Training sorgen und antidepressive Eigenschaften besitzen. Die durch CBD hervorgerufene allgemeine Ausgeglichenheit und gute Laune können deine Leistung ebenso positiv beeinflussen wie ein guter Schlaf.

Eine größere Studie kam zu dem Ergebnis, dass viele Sportler Cannabis gerade wegen seiner entspannenden Eigenschaft für eine Leistungssteigerung im Sport nutzen. Je höher das Wettkampfniveau war, desto mehr Cannabis haben die Sportler verwendet.2

Andere Sportler berichten, dass sie durch Cannabis leichter Entscheidungen treffen können und sie kreativer sind. Ein erhöhtes Selbstvertrauen, eine stärkere Beharrlichkeit und die durch Cannabis ausgelöste Euphorie könnten die sportliche Leistung ebenfalls verbessern.3

Außerdem vermuten Wissenschaftler, dass Cannabis bronchienerweiternd und durchblutungsfördernd wirken kann.3, 4 Demnach könnte eine verbesserte Sauerstoffversorgung der Muskeln für eine Leistungssteigerung im Sport sorgen.

Einige Forscher scheuen selbst nicht davor, positive Auswirkungen von Cannabis auf die kognitive Leistung zu untersuchen. Ihnen zufolge könnten moderate Dosen Ausdauersportlern helfen, sich zu fokussieren und ihre Leistung bei sportlichen Herausforderungen zu erhöhen, die eine höhere Konzentration erfordern.5, 6

Was sind die Nachteile des Cannabiskonsums bei deiner Performance?

Als harmlose Folgen des Cannabiskonsums sind Hunger und Durst schlichtweg störend beim Sport. Cannabis kann aber auch deine kognitiven Funktionen und deine motorische Koordination beeinträchtigen. Das ist selbstredend mehr als ungünstig, um Spitzenleitungen zu vollbringen.

Die Studienlage sieht bezüglich der Nachteile des Cannabiskonsums allerdings kaum besser aus als bei den Vorteilen. So zeigte eine Studie mit Piloten, dass sie nach dem Rauchen von Marihuana deutlich mehr Fehler machten.7 Eine andere Studie wies eine reduzierte Reaktionszeit, eine schlechtere Hand-Auge-Koordination und eine beeinträchtigte Wahrnehmung durch Cannabis nach.8 Auf verminderte kognitive Funktionen durch Cannabis lässt eine weitere Studie schließen. Die Wissenschaftler stellten eine Verlagerung der Durchblutung in andere Hirnregionen fest. Sie vermuten, dass die kognitive Leistung zum Vorteil der berauschenden und stimmungsaufhellenden Wirkungen abnimmt.5

Die teils widersprüchlichen Ergebnisse zu Vor- und Nachteilen des Cannabis liegen einerseits im meist geringen Studienumfang begründet. Die unterschiedliche Wirkung von CBD und THC und die uneinheitliche Dosierung erschweren eine eindeutige Schlussfolgerung zusätzlich.

Wie wirkt Cannabis auf den Muskelaufbau?

Sicherlich hast du auch schon einmal gehört, dass Cannabis den Muskelaufbau erschwert. Ob das stimmt, ist jedoch keineswegs bewiesen. Es gibt lediglich wenige Studien dazu, die darauf hinweisen.9, 10 Außerdem ist entweder die Dosis an THC unrealistisch hoch gewählt oder die Aussage nicht am Menschen untersucht. Zudem haben die Forscher CBD außer Acht gelassen, das ganz andere Effekte hat als THC.

In einer größeren Studie mit menschlichen Probanden stieg die Konzentration des Stresshormons Cortisol nach THC-Einnahme an.11 Dabei war der Anstieg von Cortisol in den Probanden höher, die normalerweise kein THC zu sich nehmen. Ein regelmäßiger Cannabiskonsum ließ das Cortisol nicht so stark ansteigen. Dennoch ist dieser Effekt weniger hilfreich, um die sportliche Leistung zu verbessern. Schließlich fördert Cortisol den Muskelabbau, ganz zu schweigen von den übrigen negativen Auswirkungen des Stresshormons. Allerdings verabreichten die Forscher das THC in dieser Studie intravenös. Das Zusammenspiel mit anderen Cannabinoiden wie CBD berücksichtigt die Studie ebenfalls nicht.

Cannabis Muskelaufbau

Fazit: Ist Cannabis denn nun zur Leistungssteigerung empfehlenswert?

Letztlich scheint es sehr individuell zu sein, wann Cannabis förderlich für die sportliche Leistung ist und wann hinderlich. Womöglich müsste jeder seine eigene Dosis und sein eigenes CBD-THC-Verhältnis finden, um das Optimum aus sich herauszuholen.

Leider ist noch nicht einmal gesichert, dass sich solch ein Selbstversuch mit vermutlich vielen Rückschlägen lohnt. Aber wer schon einige Erfahrung gesammelt hat, könnte vielleicht profitieren. Zumindest wäre es wohl klüger, eventuelle Selbstversuche nur bei leichten oder monotonen Übungen durchzuführen. Auf keinen Fall empfehlenswert ist der unerprobte Cannabiskonsum vor sportlichen Aktivitäten, die deine volle Aufmerksamkeit und Geschicklichkeit voraussetzen. Was auch immer du machst, achte stets auf die Signale deines Körpers!

Quellen

1. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3717337/
2. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16022934/
3. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3717337/
4. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/656294
5. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11117500
6. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8667569/
7. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1267035
8. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16799094
9. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19648913
10. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1270583
11. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19083209

 



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